In der Branche zählt nicht nur Wettbewerb, sondern auch Zusammenhalt. In diesem Mail teilt ein Inhaber eines renommierten Schuhgeschäftes aus Oberösterreich seine persönliche Unterstützungserklärung für den Aufstand. Ein offener Brief, der zeigt, warum Solidarität, Haltung und gegenseitiger Respekt gerade im lokalen Handel eine wichtige Rolle spielen.
Sehr geehrter Herr Staudinger,ich folge Ihrer Initiative erst kürzlich, bin aber sichtlich begeistert in welcher Form und mit welcher Einfachheit und Logik Sie es schaffen, die aktuell unfaire und zermürbende Situation auf den Punkt zu bringen.
Grundsätzlich glaube ich an die Regelung des Marktes. Die Guten, die Fleißigen, die Initiativen mögen die Nase vorne haben. Zumindest bin ich so erzogen worden und entsprechend strengen wir uns in Linz auf der Landstraße täglich an, unsere drei Schuhstandorte mit Emotionen zu füllen. Unsere Kunden finden es idR. gut was wir machen und welchen Ansatz wir an den Tag legen: wir möchten begeistern. Durch Beratung und Service, mit Mitarbeiter:innen, die daran Freude haben und diese ebenso vermitteln. Darin liegt uns viel, für die Stadt und für die Menschen. Dabei werden wir nicht nur kontrolliert sondern ebenso zur Kasse gebeten.
Allesamt Werte, die richtig und wichtig sind und soziales Leben und Arbeiten zulassen.
Dass all diese Werte und Regeln für andere nicht gelten, dass ist unverständlich und beschämend für Österreich und Europa. Die Folgen werden aktuell spürbar, die Aussichten sind für 2026 gelinde beschrieben ‚nicht mehr schaffbar‘ und zwingen fast zur vorzeitigen Aufgabe.
Und all diese von ihnen beschriebenen Pakete, ob Schuhe oder auch andere non-food Bereiche, erhöhen vielmehr unsere Belastungen. Die Wertschöpfung fließt ab und der Staat schaut durch die Finger. Bzw. die Bürger sie auch Unternehmen sollen diesen ‚Un-Ordnung’ begleichen.
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Ich darf Ihnen sagen, dass ich vor fast 5 Jahren mit dem Willen und dem Glauben daran gestartet bin, dass Schuhhandel anders geht und sich langfristig stationär etablieren wird. Unabhängig von Produkt und Genre. Bis dato bin ich mit voller Kraft in die Richtung marschiert. Mit erkennbarem Erfolg. Nicht umsonst hat man uns auf die Bühne geholt, um diesem Mut auch Raum zu geben und eben auch andere anzuspornen.
Wenn mich heute Händlerkollegen anrufen, dann tue ich mir schwer positive Signale zu vermitteln.
Diesen persönlichen Zustand kannte ich nicht bis dato. Am meisten schmerzt es mich, dass ich aktuell mit noch mehr Anstrengungen zu wenig bewegen kann bzw. mir auch irgendwann die finanzielle Kraft fehlen wird.
Was bleibt uns meines Achtens aktuell noch übrig: Kosten sparen. Wo? Bei den Mitarbeiter:innen und somit schneiden wir uns selbst die Äste unsere Grundlage immer kürzer bis schlussendlich nur noch der Stamm erhalten bleiben wird. Diesen Stamm wird sich aber dann keiner mehr ansehen wollen.
Resignieren werde ich nicht, nur wenn sich die Situation nicht rasch verändern wird, dann schafft uns die Politik für immer ab.
In der nachfolgenden Email darf ich mich/unser Haus mit Unterstützung des Schuhkuriers vorstellen.
Sie können mich auch gerne persönlich erreichen, meine Daten finden Sie unten stehend.
(getippt und formuliert im
Flugzeug am Weg von Mailand nach Wien)
Beste Grüße
Anonym