Wo Recht zu Unrecht wird,
wird Widerstand zur Pflicht.

Betrifft: Steuerverweigerung

Geschätzter** Herr Minister Marter***bauer!

**Oh ja, ich schätze Sie wirklich. Drum ist die Anrede “geschätzter” auch wirklich ernst gemeint. Sie wirken kompetent und man kauft Ihnen ab, dass Ihnen das Gelingen unserer Gesellschaft, – sprich das Gelingen des Größeren Ganzen selber ein ernstes Anliegen ist.

***”Marter”-bauer. Nomen est omen. Oh ja, die ungeheure Abgabenlast, vor allem auf Arbeit, ist für alle, die hier noch produzieren, eine regelrechte Marter.

Wir, die Waldviertler Werkstätten GmbH, produzieren Schuhe, Taschen und Matratzen. Alle diese Felder sind arbeitsintensiv. So ergibt sich eine dreifache Abgabenlast.

    1. in der Erzeugung
    2. in der Verwaltung
    3. im Verkauf

Nun betrachten wir unsere Lohnabgaben in der Produktion als Vorleistungen ans System. Zu dieser Vorleistung ans System der Republik Österreich gehören die lohnbezogenen Abgaben wie Sozialversicherung, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung, Kommunalsteuer und Lohnsteuer. (Achtung: bei der Mehrwertsteuer kennen wir dieses System der Vorsteuer; d. h. Mehrwertsteuerausgaben, die im Einkauf angefallen sind, können bei der Abführung der Mehrwertsteuer als Vorsteuer geltend gemacht werden)

Genau in diesem Sinn ziehen wir die lohnbezogenen Abgaben (49.961,63 Euro) von der heute fälligen Mehrwertsteuer für Oktober ab und verweigern so einen Teil, der durch nichts gerechtfertigten, aber die heimische Wirtschaft zerstörenden, dreifachen Abgabenpflicht. Diese Dreifachbelastung ist eine Marter, sie macht auch die noch kaputt, die bis heute überlebt haben. Schuh- und Textilindustrie sind de facto schon ausgerottet. (Sie sind nicht kaputtgegangen, weil sie zu faul oder zu blöd waren; nein, die Rahmenbedingungen haben sie entweder in den Ruin getrieben oder eben ins billigere Ausland) … im Jahr 2025 geht es zügig weiter: 19 Insolvenzen pro Tag, 135 Insolvenzen pro Woche (derStandard, 11. Dez. 2025) In den kleineren Ortschaften ist das “Sterben” häufig schon abgeschlossen (kein Wirtshaus, keine Greißlerei, keine Post, keine Polizei …). Jetzt geht s immer noch weiter. Im unfairen Wettbewerb mit den chinesischen (u.a.) Internetplattformen (jeder zweite Österreicher kauft dort ein) gehen nicht nur unzählige kleine Handelsbetriebe kaputt, auch Handelsgiganten wie die Mariahilferstraße in Wien, die Herrengasse in Graz, die Landstraße in Linz …. usw. … leiden.

Wollen Sie / wollt ihr, dass alles kaputtgeht?

 

Fünf Milliarden Packerl aus China – de facto abgabenfrei!

Das Gemeinste jedoch ist Folgendes: da kommen allein aus China im Jahr 2025 rund 5 Milliarden Packerl in die EU. Sie zahlen de facto keine Abgaben (keine?,- das stimmt nicht ganz, aber fast keine stimmt ganz sicher). Laut einer Untersuchung der EU sind 65 % der Pakete falsch
deklariert, um Abgaben zu vermeiden oder zumindest zu mindern. 

So genießen die chinesischen Internetplattformen einen enormen Wettbewerbsvorteil. 

Um 5 Milliarden (das sind rund 20 Mio. Pakete pro Werktag) Pakete zu kontrollieren, braucht es mindestens 125.000 Kontrolleure, plus eine nennenswerte Anzahl von Experten, die diese Kontrolleure im Zweifelsfall beraten und unterstützen können.
Wie komme ich auf 125.000 Kontrolleure? Wenn ein Kontrolleur pro Stunde 20 Pakete kontrollieren kann, dann braucht es 1 Million Arbeitsstunden um 20 Mio. Pakete zu prüfen. Eine Mio. Arbeitsstunden dividiert durch 8 Stunden (ein normaler Arbeitstag hat 8 Stunden)
macht 125.000 Kontrolleure.

Nun die Frage:
Warum hilft die Regierung nicht zu uns, sondern zu den anderen?

 

Ein kleines Rechenbeispiel:
Ein Paar Waldviertler kostet z. B. 180,- Euro.
Darin enthalten sind 80,- Euro Staatsquote in Form von Sozialversicherung, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung, Kommunalabgabe und Lohnsteuer – all diese Abgaben fallen an in der Produktion, in der Verwaltung und im Verkauf; – im Verkauf kommen auf die Summe der schon bezahlten Abgaben dann auch noch 20% Mehrwertsteuer drauf. 

Ein Paar Schuhe aus China kommt z. B. zu einem Preis von 20,- Euro daher.
Abgaben: nahezu KEINE

Und nun noch einmal: Warum hilft die Regierung nicht zu uns, sondern zu den andern?

Würde z. B. der chinesische Schuh mit 80.- Euro Abgaben belastet, dann würde der Schuh aus China 20 + 80, also 100.- Euro kosten.

Ein Traum: Unsere Regierung besinnt sich und steht auf der Seite des eigenen Volkes!

In diesem Traum müssen wir für unsere Schuhe… (- so wie jetzt die Schuhe aus China) keine (oder fast keine Abgaben) mehr leisten (wieso? … die Regierung hilft ab sofort zu uns), dann würde unser Schuh vom obigen Beispiel nicht mehr 180.-, sondern nur mehr 100.- Euro kosten. (180 minus 80 = 100)

 

Geschätzter Herr Minister Marterbauer!

Mit diesem Brief machen wir Selbstanzeige. Wir agieren im Wissen, dass tausende, ja zehntausende Firmen betroffen sind und unter den jetzt herrschenden Rahmenbedingungen ums Überleben kämpfen. 

In Gefahr sind häufig Betriebe, die in das Leben unserer kalten Gesellschaft etwas Wärme bringen, den Alltag etwas liebenswürdiger machen. 

Fast alles, was liebenswürdig ist in unserer Gesellschaft, ist arbeitsintensiv.

    • alle Handwerksberufe, Schuhe, Textil, Polsterer und und und …
    • alle Wirtshäuser, gute Küche, die Cafés, auf die wir so stolz sind (waren)
    • der stationäre Handel mit seiner beratenden Dienstleistung,
    • die Nahversorger, – sie alle sind seit Jahrtausenden auch Ort der Begegnung. (Die Einsamkeit, vor allem der alten Leute, kostet ein Vermögen. Wenn die Nahversorger hin sind, geht s schneller ins Altenheim – traurig und teuer)
    • die Bio-Landwirtschaft ist im Vergleich zur Agro-Industrie arbeitsintensiv, und doch gibt es für die Gesundheit der Böden nichts Sinnvolleres.
    • die Pflege, – vom Kleinkind bis zur Altenpflege …
 

Alle diese Berufe sind NOT-wendig. Sie sind liebenswürdig und doch sind sie diskriminiert, denn es gibt nichts, was mehr mit Abgaben belastet ist als die Arbeit. Diese Last ist erdrückend. Oh ja, diese hohe Abgabenlast ist eine Marter, die viele Betriebe kaum mehr tragen können.

Wir sind viele, die bereit sind alles zu geben, um zu retten was noch zu retten ist.

Geschätzter Herr Minister, – da gehen die Kühe kaputt. Herr Minister, das sind genau die Kühe, deren Milch das System braucht.

Heini Staudinger

Paul Tritscher

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